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Göppinger Berufsschule führt Schüler-Aktienindex ein Pünktlichkeit, Fehlerquote, Fitness oder Weiterbildungsbereitschaft bilden Faktoren für die Bewertung eines Mitarbeiters. Das Modell aus der Wirtschaft wird jetzt auf Schüler übertragen - in Göppingen. RÜDIGER GRAMSCH Banken analysieren im so genannten Rating die Kreditwürdigkeit von Firmen. Dieses Verfahren, dem sich auch Klaus Kobjoll als Chef des Tagungshotels Schindlerhof bei Nürnberg unterziehen muss, hat er 2003 auf seine 48 Mitarbeiter und 18 Auszubildenden übertragen und sie „geratet“.
Das Projekt nennt sich „Mitarbeiter-Aktienindex“, kurz Max. Fast 200 Unternehmen in Europa haben ihn erfolgreich eingeführt. Jetzt will Karl-Otto Kaiser die Bewertungsmethode auch in Schulen einsetzen. Die Kaufmännische Schule in Göppingen ist die erste in Baden-Württemberg, in der es den „Schüler Aktienindex“ (SAX) gibt. Die Idee sorgt für Aufsehen, Schulbehörden werden neugierig. Das Prinzip des Schüleraktienindexes ist einfach: Jeder Schüler erhält einen Startwert von 1000 Pixeln und kann seinen Wert durch sein Verhalten monatlich steigern, aber auch senken. Schülergruppen werden zu Teams zusammengefasst mit einem Lehrer als Teamleiter. Dieser Lehrer gibt ebenfalls einmal im Monat seine Daten ein und muss außerdem die Werte seiner Mitglieder monatlich einmal checken. Bei unrealistischer Einschätzung (zu gut oder zu schlecht) kann der Teamleiter Änderungen vornehmen. Es entsteht dann für jeden Schüler ein Schülerindex in Form einer Aktienkurve, für das Team ein Teamindex und für die gesamte Schule ein Schulindex. Die Teilnahme ist freiwillig und nur für Schüler, die auch ehrlich mit sich selbst sein können. Wer betrügt, betrügt sich und sein Team. Alle teilnehmenden Schüler geben einmal im Monat ihre Daten in das Programm ein. Jedes Team wird von einem Lehrer ihrer Wahl geleitet. Dieser Teamleiter checkt monatlich die Schülerbogen oder nimmt in Absprache mit dem Schüler Änderungen daran vor. Diese können positiv aber auch negativ sein. Der Lehrer muss in jedem Fall seine Änderungen begründen. Es wäre ja auch möglich, dass ein Schüler sich zu schlecht einschätzt. Die Kriterien, die den Kursverlauf beeinflussen können, werden mit den Schülern festgelegt und entsprechend bewertet. Ob im Unterricht geschlafen, gegessen, mit dem Handy gespielt wird, ob dumme Kommentare abgegeben oder die Hausaufgaben vergessen werden, ob gemobbt, geredet oder sich primitiv verhalten wird, ob man zu spät gekommen ist, Sachen im Klassenzimmer herumgeworfen hat oder ungewaschen in der Schule erscheint - all das drückt den Kurswert. Umgangston, Wertschätzung durch andere, Leistungsbeurteilung, Interesse an der Ausbildung können ebenfalls den eigenen Wert steigen oder fallen lassen. „Wer gar nicht an sich arbeitet, verliert an Wert“, so Kaiser. „Gerade für Berufsschüler sind Referenzen und Urkunden das wichtigste Mittel, um sich von anderen Bewerbern zu unterscheiden und um seine Leistungen zu belegen“, weiß Kaiser. Ist der Pixelwert eines Schülers während seiner Teilnahmezeit konstant gestiegen, also über dem Ausgangswert 1000, so bekommt er am Ende des Schuljahres eine Urkunde, die seine Leistungen belegt. Diese kann er dann bei seinem Arbeitgeber vorlegen und hat so eine schriftliche Bestätigung von seiner Schule, dass seine Leistungen sich sehen lassen können. „Durch den ,Sax’ lernen die Schüler auf spielerische Art und Weise ihre Stärken und Schwächen kennen, und können selbstständig daran arbeiten, ihre Schwachstellen auszuradieren und Kritikfähigkeit zu entwickeln“, sieht Kaiser die Vorteile des Modells. www.ks.gp.bw.schule.de |