Ein Herz für Birnen

Jürgen Kaiser betreibt eine Obstweinkellerei in Salach
Jürgen Kaiser kennt sich aus mit süßen Früchtchen. Als Chef der Destillerie und Obstweinkellerei Kaiser in Salach hat er längst sein Herz für die heimischen Streuobstwiesen entdeckt. Aus dem Obst, das rund um das regionale Wahrzeichen, die Burg Staufeneck, wächst, kreiert er erfolgreich erlesene flüssige Genüsse, wie den „Bellpera".
ULRIKE LUTHMER-LECHNER

Es wäre katastrophal, wenn aus unserem Landschaftsbild die Streuobstwiesen verschwinden würden“, sagt Jürgen Kaiser, der bereits in vierter Generation die Obstweinkellerei Kaiser in Salach betreibt. Die Obstverarbeitung ist ihm in die Wiege gelegt worden und der 47-Jährige baute die ehemalige Mosterei und Küferei, die 1864 erstmals urkundliche Erwähnung fand, zu einer Destillerie und Obstweinkellerei aus.

Tradition verpflichtet und er ist mit Herzblut dabei. „Für mich ist es eine Leidenschaft“, bekennt er bescheiden - trotz aller Erfolge und Prämierungen. Die für das Landschaftsbild am Fuße der schwäbischen Alb charakteristischen Streuobstwiesen zu erhalten, sei sein Ziel. „Wir wollen wertige Produkte aus heimischen Ressourcen schaffen, um für die Obsterzeuger wieder attraktive Preise zu erreichen.“
Im vergangenen Jahr besuchte er die erste internationale Apfelweinmesse in Spanien mit seinen Qualitätsobstweinen im Gepäck. „Koriphäen aus aller Welt waren dort vertreten“, erinnert sich Kaiser. Mit italienischen Gästen kam er ins Gespräch und überließ ihnen einige Proben der Salacher Erzeugnisse. „Die Überraschung war riesengroß, als ein halbes Jahr später eine Prämierungsurkunde mit der Goldmedaille für unseren Birnenperlwein Bellpera aus Italien bei uns eintraf“, freut sich Jürgen Kaiser.
Engagiert zeigt er sich auch in der Qualitätsobstweinoffensive. Mit drei weiteren Kollegen aus der Region verfolgt er das Ziel, frische, reinsortige Obstweine herzustellen. Dass es bereits fünf vor zwölf ist, um zu handeln, ist dem Salacher bewusst, denn der Klimawandel mache sich bemerkbar. „Die Birnbäume sterben“, bedauert er. Schwache Winter, feuchtwarmes Klima und mehr Niederschläge fördern die Ausbreitung von Feuerbrand und dem Virus Birnenverfall, gegen das es keine Mittel gibt.<NO> „Es wird immer beschwerlicher“, meint der Experte. Mit der Pflanzung junger Birnenbäume will Kaiser ein Zeichen setzen und den Unbillen der Natur trotzen.
Wenn im Herbst die Säcke mit Mostobst vor dem Kaiserschen Hof angekarrt werden, bedeutet dies Knochenarbeit für die Familie. „Acht Wochen schaffen dann vom Opa bis zum Enkel alle mit, es ist eine extreme Zeit.“ Wenn die rund 30000 bis 40000 Liter Obstsaft, die zu Qualitätsobstwein, Bellpera, Apfelsaft oder schwäbischem Most verarbeitet werden, in den Fässern liegen, kann sich Jürgen Kaiser wieder verstärkt den erlesenen Destillaten und Likören widmen. „Die Arbeit hört nie auf“, meint er. , denn auch Schönung und Kellerarbeit verlangen ihren zeitlichen Tribut. Es ist ihm nie zuviel, denn für die Einzigartigkeit des Geschmacks heimischer Obstwein-Produkte aus den süßen Früchtchen, die die Natur vor der Haustüre bereithält, kämpft Jürgen Kaiser aus Überzeugung „bis an mein Lebensende".
Obstweinkellerei Kaiser, 73084 Salach, Jahnstr. 26, Tel. 07162 6144
www.kaiser-salach.de

 

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